Donnerstag, 01.10.2026, 20 Uhr

Rudy Wiebe zu Ehren - mit Heinich Siemens, dem deutschen Verleger von Rudy Wiebe
 
Rudy Wiebe wurde 1934 als Kind russlanddeutscher Mennoniten im Nordwesten Kanadas geboren. Aufgewachsen in einem plautdietschen Dorf, lernte er in der Schule Englisch, und durch die Gottesdienstsprache, vertieft durch einen Studienaufenthalt in Tübingen, Deutsch. Von Kind auf dreisprachig, tauchte er ein in die Magie der Sprache, die sein Werk prägt. Er schrieb zahlreiche Romane und Sachbücher, drehte Filme und lehrte 30 Jahre lang an der Universität in Edmonton englische Literatur.

Rudy Wiebe erhielt für sein literarisches Werk mehrfach den Governor General’s Award, den bedeutendsten Literaturpreis Kanadas. Seine Kindheitserinnerungen wurden mit dem Charles Taylor Prize, dem angesehensten Preis für nicht-fiktionale Literatur ausgezeichnet.

Werke in deutscher Sprache:

Rudy Wiebe: Land jenseits der Stimmen. Tweeback 2020. 391 S. Geb. 24,95

John Franklin bricht 1819 mit einer handverlesenen Mannschaft nach Kanada auf, um die legendäre Nordwestpassage zu suchen. In monatelanger Finsternis kommen sich die Männer aus England und die Yellowknife-Indianer in ihrem Winterlager näher.

Ausgezeichnet mit dem Governor General’s Award, dem renommiertesten Literaturpreis Kanadas.
„Ein Werk außerordentlicher Originalität und Schönheit“ (The Globe and Mail)

---, Komm zurück. Tweeback 2020. 336 S. Geb. 24,85

Hal Wiens sitzt mit seinem Freund Owl in einem Café und schaut aus dem Fenster. Da erblickt er im Schneetreiben eine orange Daunenjacke. Es ist die Daunenjacke, die sein Sohn vor 25 Jahren trug, als er freiwillig aus dem Leben schied. Hal ist erschüttert und beschließt, dass es nun an der Zeit ist, die Tagebücher seines Sohnes zu entstauben und zu versuchen zu verstehen, was seinen Sohn damals bewogen hat, diesen Schritt zu gehen.

---, Big Bear. Tweeback 2011. 255 S. Geb. 19,95 €

Big Bear, ein Häuptling der Cree, lebte in einer Zeit des Umbruchs. Die seit Menschengedenken von Generation zu Generation überlieferte Lebensform der Völker der nordamerikanischen Prärie war nicht mehr zu erhalten: der Büffel, der ihnen Nahrung, Kleidung und das Material für ihre Behausungen geliefert hatte, stand vor der Vernichtung. Immer mehr europäische Siedler drängten in die Weiten Kanadas. Hunger, von den Weißen eingeschleppte Krankheiten wie Pocken und Masern, dezimierten die Indianer und zwangen sie, von der kanadischen Regierung diktierte Verträge zu akzeptieren, die das Unvorstellbare Wirklichkeit werden ließen: Die Indianer verloren nach den Büffeln auch ihr Land und damit die Lebensgrundlage. Man versprach ihnen, die „Große Mutter“, die im unvorstellbar weit entfernten England lebende und für sie stets unsichtbare Queen Victoria, würde die Stelle des Großen Geistes einnehmen und mit ihren unerschöpflichen Mitteln ihre weißen und roten Kinder ernähren. Dennoch weigerte sich Big Bear, einen Vertrag zu unterzeichnen. Der Verkauf des angestammten Landes blieb ihm unvorstellbar. Statt vieler kleiner Reservate, die den indianischen Stämmen als Lebensraum zugewiesen wurden, schwebte ihm ein großes Reservat für alle Indianer der Prärie vor, auf dem eine Fortsetzung ihrer freiheitlichen Lebensformen hätte möglich sein können. Doch es kam anders. Wegen Beteiligung an einer Rebellion, die er in Wirklichkeit zu verhindern versucht hatte, wurde Big Bear zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Der die Weiten der Prärie gewohnte Mann verbrachte seine letzten Jahre im Gefängnis und in Ketten. von Rudy Wiebe lässt ihn mit der Vision sterben, das in den Verträgen zwischen der kanadischen Regierung und den Indianern verankerte Unrecht könne durch Neuverhandlungen geheilt werden, die auf indianischer Seite von Menschen geführt werden, die den Weißen ebenbürtig sind.

---, Friede wird viele zerstören. Tweeback 2009. 377 S. Geb. 24,95 €

Kanada im Kriegsjahr 1944. Der Diakon erbaut in der borealen Wildnis eine Utopie der Wehrlosigkeit. Doch die Idylle zerbricht an alten Geschichten. Der Pazifist wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Die verführerische neue Lehrerin weckt Begehrlichkeiten. Der ferne Weltkrieg wirft seine Schatten bis in die entlegensten Winkel Kanadas: Auch die mennonitischen jungen Männer sollen in den Krieg gegen Deutschland ziehen. Und die schönste Weihnachtsfeier, die die Siedlung je erlebte, mündet in eine Schlägerei. Ist eine friedfertige Gesellschaft unmöglich?

---, Von dieser Erde. Tweeback 2008. 400 S. Geb. 24,95 €

Als Rudy Wiebe geboren wird, ist sein Geburtsort Speedwell noch jung. Mennonitische Flüchtlinge mühen sich ab, dem steinigen borealen Urwald Ackerland und Viehweiden abzugewinnen. Fernab der Welt besteht ihre einzige Unterhaltung in den regelmäßigen gegenseitigen Familienbesuchen am Sonntagnachmittag. Man trifft sich bei Tweeback und Pripps zum mehrstimmigen Liedergesang und vor allem zum Resse-riete, dem lebhaften Erzählen von erfundenen wie erlebten Geschichten.

Die Siedlung von Speedwell ist längst verfallen; geblieben sind die Geschichten, die der kleine Rudy unter dem Küchentisch sitzend aufschnappte – und seine ererbte Erzählbegabung. Wir erfahren von der Wärme einer Kuh beim Melken, der Faszination eines Hengstes, dem qualvollen Tod der geliebten Schwester, der Predigt eines Indianerhäuptlings, der süßen Verlockung des Lesens – von einer untergegangenen Welt, die in Rudy Wiebes Kindheitserinnerungen wieder auflebt.

---, Wie Pappeln im Wind. Eichborn 2004. 351 S. Geb. 11,95 €

Der Klassiker der kanadischen Literatur.

Als Gewalt, Verfolgung und bittere Armut in ihrer Heimat immer drückender werden, macht sich Anfang des letzten Jahrhunderts eine Gruppe wagemutiger Männer, Frauen und Kinder auf eine gefährliche Wanderschaft. Viele Jahrzehnte dauert die Reise, die sie Tausende von Kilometern aus einem russischen Dorf in eine unbekannte Zukunft führt. Anhand der mehrere Generationen umgreifenden Familiengeschichte seiner Heldin Frieda Friesen erzählt Rudy Wiebe in einer wunderbar poetischen Sprache von einer kleinen Schicksalsgemeinschaft, die mit Mut und längst verlorengegangenen Werten Entbehrungen, Zweifeln, Krankheit und sogar dem Tod widersteht. Je unerträglicher und aussichtsloser die Lage der Flüchtige, desto beharrlicher und unerschrockener kämpfen sie für ihren großen Traum: einen Ort zu finden, an dem sie zu Hause sind.

Heinrich Siemens ist ein deutscher Germanist und Plautdietsch-Forscher. 
Er wurde 1964 in Sigulda in Lettland geboren und ist 1975 nach Deutschland gekommen. Dort studierte er Mathematik, Philosophie und Germanistik. Er arbeitete an der Universität Bonn (Assistent von Prof. Peter Pütz) und ist vor allem mit Plautdietsch-Forschungen beschäftigt. Siemens sitzt als Vertreter der Plautdietschen im Bundesrat für Niederdeutsch und ist seit 2007 Präsident der Plautdietsch-Freunde. Von 2009 bis 2010 war er Chefredakteur der Zeitschrift Plautdietsch FRIND. Im Herbst 2007 gründete Siemens den Tweeback Verlag, der unter anderem den Autor Rudy Wiebe sowie Bücher rund um das Thema Plautdietsch verlegt.

2011 wurde er mit einer Arbeit zum Plautdietschen an der Universität Bonn promoviert.

Bücher von Heinrich Siemens bei Tweeback:

Prolegomena zu einer Syntax des Kontinental-Westgermanischen (2014)
Continental West Germanic is no OV language (2013)
Plautdietsch (2012)
Lexikon der plautdietschen Sprichwörter, Gedichte, Rätsel und Lieder (2007)

2 Veranstaltungen zu Rudy Wiebe hat es in der Buchhandlung Böttger gegeben:

Im Mai 2014 war Rudy Wiebe in der Buchhandlung und hat mit seinem Übersetzer Joachim Utz und seinem Verleger Heinrich Siemens sein Buch BIG BEAR vorgestell.

Im September 2021: KOMM ZURÜCK - Buchvorstellung mit Joachim Utz und Heinrich Siemens








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