Theodor Wolff: Die Schwimmerin. Vorstellung des Romans

Moderation: N.N.

Lesung: N.N.

Theodor Wolff: Die Schwimmerin. Roman aus der Gegenwart. Mit einem Nachwort von Ute Kröger. Etwa 360 S. Einbandillustration: Kat Menschik. Weidle Verlag 09/2021.Broschur 25,00 €

Der „Roman aus der Gegenwart“ erzählt die Geschichte der Liebe eines älteren Mannes zu einer jungen Frau vor dem Hintergrund der politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen der Epoche. Die junge Frau, Gerda Rohr, ist politisch aktiv, brennt für die linksrevolutionären Bewegungen und hält die Passivität ihres älteren Liebhabers nicht aus. Man kann in ihr Wolffs ehemalige Sekretärin Ilse Stöbe (1911-1942) erkennen, eine Widerstandskämpferin und sowjetische Spionin, die von den Nazis hingerichtet wurde.

Wolffs Roman ist vieles zugleich: Liebesgeschichte, Sozialgeschichte, Porträt Berlins – anhand der geschilderten Topographie ist es möglich, die Wege der Protagonisten nachzugehen -, ein wehmütiger Abgesang auf die Weimarer Republik, Vorahnung des bevorstehenden Untergangs und Beschreibung des Lebens im Exil. Es ist ein Roman voller Schwung. In ungewöhnlichen Formulierungen entsteht eine atmosphärisch dichte, eine fulminante, dabei aber genaue Schilderung dessen, was wir als Babylon Berlin kennen – oder zu kennen glauben.

Theodor Wolff war von 1906 bis 1933 Chefredakteur des „Berliner Tageblatts“ und damit der einflussreichste Journalist der Weimarer Republik. Noch heute erinnert der Theodor-Wolff-Preis, der wichtigste deutsche Journalistenpreis, an ihn. Und im Theodor-Wolff-Park in Berlin ist die letzte Zeile seines letzten Artikels zitiert: „Geht hin und wählt!“
Wolff emigrierte mit seiner Familie nach Südfrankreich, wurde aber im Mai 1943 in Nizza von italienischen Besatzungssoldaten verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. Im Gefängnis Moabit zog er sich eine Krankheit zu, an der er am 20. November 1943 im Jüdischen Krankenhaus, Berlin, starb. Ilse Stöbe wurde im September 1942 verhaftet und am 22. Dezember in Plötzensee hingerichtet. An sie erinnert in Berlin eine Gedenktafel vor dem Haus Frankfurter Allee 233.

Theodor Wolff (1868-1943) schrieb Sachbücher, Theaterstücke und Romane. Sein letztes Werk war „Die Schwimmerin“ und erschien 1937 bei Oprecht in Zürich – Wolff lebte da schon drei Jahre im südfranzösischen Exil.

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