Hans-Peter Kunisch:Todtnauberg. Die Begegnung von Paul Celan und Martin Heidegger

Ein langjähriger Antisemit und der einzige Holocaust-Überlebende seiner Familie: Drei Mal trafen sich Paul Celan und Martin Heidegger in der Todtnauberger Hütte zu Spaziergängen und zu Gesprächen: 1967, 1968 und 1970. Was verband einen der wirkungsmächtigsten deutschen Philosophen und den bedeutendsten jüdischen Lyriker deutscher Sprache im 20. Jahrhundert, der dem ersten Treffen eines seiner bekanntesten Gedichte widmete: „Todtnauberg"? Diese drei Begegnungen sind in der deutschen Geistesgeschichte einzigartig.

Hans Peter Kunisch: Todtnauberg. Die Geschichte von Paul Celan, Martin Heidegger und ihrer unmöglichen Begegnung. dtv 2020. 352 S. Geb. 24,00

„Hans-Peter Kunisch hat die Geschichte dieser so nachhaltig misslingenden Begegnung geschrieben, seine akribische Recherche lässt ein bemerkenswertes (Sinn-)Bild aus der Historie deutscher Vergangenheitsbewältigung entstehen. Geht es doch um den absoluten Widerspruch zwischen einem, der angesichts der Judenvernichtung mit seiner Sprache durch „furchtbares Verstummen, hindurchgehen (muss), durch die tausend Finsternisse todbringender Rede“, und einem anderen, der dem „Weltjudentum“ noch in späten Jahren die Schuld am Verfallszustand der Zivilisation geben will, und für das millionenfache Sterben der Juden niemals ein Wort des Gedenkens finden wird.“ Harro Zimmermann in: Frankfurter Rundschau vom 14.04.20

Hans-Peter Kunisch, geboren 1962, studierte Germanistik, Theaterwissenschaften und Philosophie und promovierte über Musil, Schnitzler und Kafka. Das Treffen von Todtnauberg hat er vor Ort und in Archiven von Marbach bis Paris recherchiert und dort die letzten lebenden Zeitzeugen gesprochen. Er schreibt für "DIE ZEIT", "SZ", den WDR, DLF Kultur und das „Philosophie Magazin".

Weitere Bücher:

1.

Adam Sharr: Heideggers Hütte. Brinkmann und Bose 2010. 128 S. mit 50 Abbildungen. Geb. 24,00 €

Der Architekt entwickelt Heideggers Raumdenken aus der Perspektive eines einzigen Gegenstandes: Heideggers Hütte. Es sind 4 kleine Zimmer eines Holzhauses, das in den frühen 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts errichtet wurde. Die Hütte war Rückzugsort und Ort eines radikalen Denkens, aber auch Stätte einiger Begegnungen von großer Bedeutung. Darüber ein Kapitel in dem Band mit dem Abdruck des Todtnauberg-Gedichtes von Celan. Der Band enthält Fotographien der Hütte - innen und außen -, und Aufnahmen von der Umgebung, außerdem Modelle von der Hütte und architektonische Zeichnungen. Ein Kapitel widmet sich dem Vergleich der Hütte mit Heideggers Freiburger Haus.

2.

Gerhard Neumann: Selbstversuch. Rombach 2018. 386 S. mit zahlreichen Abbildungen. Kart. 58,00 €

Neumann hat Celans Vorlesungen in Freiburg organisiert und in seinem VW-Käfer Heidegger und Celan nach Todtnauberg gefahren. Er ist „der uns fährt, der Mensch, / der´s mit anhört,“ (aus dem Todnauberg-Gedicht Celans). Gerhard Neumann ist der ‚stumme Zeuge‘ während jener Autofahrt nach Todtnauberg. Darüber schreibt er in seinem autobiographischen „Selbstversuch“ auf den Seiten 307ff., ein Buch, das er wenige Tage vor seinem Tod - also etwa 50 Jahre nach jener Fahrt - abgeschlossen hat.

Gerhard Neumann (1934-2017), Studium der Germanistik und Romanistik. Professuren an den Universitäten Bonn, Erlangen, Freiburg i.Br., München, seit 2002 emeritiert, seit 2005 Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen u.a. zu Lichtenberg, Goethe, Kleist, Fontane und Kafka, zur Poetik, Methodik, Kultur- und Editionswissenschaft. Mitherausgeber der historisch-kritischen Kafka-Ausgabe und des Hofmannsthal-Jahrbuchs zur europäischen Moderne. Er ist einer der einflussreichsten Literaturwissenschaftler unserer Zeit.

3.

Text. Kritische Beiträge Heft 15: Celan, Lenz, Keller & zur Transkription. Hrsg. von Roland Reuß u.a. Stroemfeld 2016. 267 S. Kart. (enthält eine Audio-CD: Paul Celan rezitiert Gedichte, Aufnahme vom 24. Juli 1967, Audimax der Universität Freiburg.) 


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